Prävention von Mundschleimhauterkrankungen

Sie befinden sich hier:

Neue Anforderungen an die Zahnmedizin

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass sich der Zahnarzt über die rein restaurativen Tätigkeiten immer mehr auch zur Prävention von Erkrankungen der Zähne und der Mundschleimhaut entwickeln muss. Hierbei ist die Mundhöhle als Spiegel der allgemeinen Gesundheit zu betrachten. Die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung, verbunden mit Multimorbidität und Einnahme einer Vielzahl von Medikamenten sowie die damit in Zusammenhang stehenden Mundschleimhautveränderungen, stellt neue Anforderungen an die Zahnmedizin.

Früherkennung von oralen Plattenepithelkarzinomen

Wichtigstes Thema ist die Früherkennung von oralen Plattenepithelkarzinomen, die aus einer Leukoplakie (griechisch: weißer Fleck) hervorgehen können. Leukoplakien haben präkanzeröses Potential. Die ätiologischen Faktoren sind vor allem Tabakabusus (besonders Pfeiferauchen), eine begleitende Rolle spielt der Alkoholkonsum. Leukoplakien treten bei Rauchern sechsmal häufiger auf als bei Nichtrauchern, es besteht eine klare Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen dem Gebrauch von Tabak und der Prävalenz. Studien belegen, dass geographische Unterschiede sowie die Bevorzugung des männlichen Geschlechts durch unterschiedliche Lebensführung (Art des Tabakkonsums, Anteil des Alkoholgehalts bei Spirituosenkonsum sowie Ernährungsgewohnheiten) erklärt werden können. Die selben ätiologischen Faktoren treffen auf eine spezielle Form der inhomogenen Leukoplakie, die Erythroleukoplakie, zu. Diese ist gekennzeichnet durch rote und weiße Anteile. Bei mikroskopischer Analyse handelt es sich in 91% der Fälle um Epitheldysplasien, carcinoma in situ oder Plattenepithelkarzinome.

Zur Prävention des Mundhöhlenkarzinoms als Folge einer Leukoplakie oder Erythroplakie ist – neben der Biopsie - in letzter Zeit mit der Exfoliativzytologie ein wichtiger Schritt in Richtung Früherkennung erfolgt. Diese nicht-invasive Methode zur oralen Krebsdiagnostik ist geeignet, malignitätsverdächtige Leukoplakien oder Erythroplakien zu erkennen (Remmerbach et al. 2003; Scheifele et al. 2004) . Die Langzeitbeobachtung der Patienten mit oralen Leukoplakien ist jedoch eine conditio sine qua non, da selbst in Fällen, in denen sich keine Malignitätszeichen finden, das Risiko zur malignen Transformation nicht auszuschließen ist (Silverman 1988).

Hervorgehoben werden muss, dass der Zahnarzt bei der Prävention von Präkanzerosen und Mundhöhlenkarzinomen eine Schlüsselstellung einnimmt. Tabakinterventionsstrategien sollten integraler Bestandteil qualitätsorientierter Zahnmedizin sein.

Bedeutung der Humanen Papillomaviren (HPV)

Seit vielen Jahren wird die Bedeutung der Humanen Papillomaviren (HPV) bei der Entstehung eines oralen Plattenepithelkarzinoms untersucht. Bekannt ist, dass die Infektion mit den Hochrisikotypen 16 und 18 einen der wichtigsten Mechanismen bei der Entwicklung des Zervixkarzinoms darstellt. Epidemiologische und molekularbiologische Studien weisen auch auf eine Verbindung zwischen HPV und oralen Plattenepithelkarzinomen hin, dennoch ist die Assoziation nach wie vor nicht eindeutig. Wahrscheinlich ist, dass HPV eine Rolle bei der oralen Karzinogenese spielt, wenn auch nur in einer geringen Anzahl von Fällen. Studien zeigten, dass die Wahrscheinlichkeit einer oralen HPV Infektion mit dem Alter steigt, bei homosexuellen Individuen sowie bei Personen bei denen Antikörper gegen das Herpes simplex Virus Typ 2 (HSV2) im Serum nachgewiesen wurde.

Mundschleimhautveränderungen beim älteren Menschen

Einige Mundschleimhautveränderungen beim älteren Menschen können infolge funktioneller Beanspruchung, wie z.B. die Hyperkeratose der Mundschleimhaut bei Prothesenträgern, durch Krankheit (z.B. post radiatio) und Gewohnheiten (z.B. Tabak- und Alkoholkonsum, Verzehr von heißen Speisen und Getränken) entstehen. Ein wesentlicher Faktor ist die Einnahme von Medikamenten, die erhebliche Auswirkungen auf die orale Mukosa haben können. Hierbei sei die Mundtrockenheit (Xerostomie) besonders hervorgehoben. Einige Firmen bieten Pflegeserien bestehend aus Zahnpasta, Mundspülung, Feuchtigkeitsgel und Kaugummi an, um die Barrierefunktion des Speichels zu ersetzen.

Medikamente können weiterhin lichenoide Reaktionen der Mundschleimhaut auslösen (v.a. Antidiabetika vom Sulfonylharnstoff-Typ, Antimalariamittel, Methyldopa), die sich jedoch nach deren Absetzen meist zurückbilden. Lichenoide Reaktionen werden weiterhin im Bereich alter korrodierter Amalgamfüllungen im Zahnhalsbereich beobachtet. Die Therapie bzw. Prävention liegt in einem Ersetzen der Amalgamfüllung durch metallfreie Materialien wie Keramik oder Glasionomerzement.

Ein hohes Maß an Eigenverantwortung trägt der Patient selbst

Zusammenfassend soll hervorgehoben werden, dass die Prävention von Mundschleimhauterkrankungen nicht ausschließlich Aufgabe der (Zahn-) Medizin ist, sondern dass der Patient ein hohes Maß an Eigenverantwortung trägt.